Transit

Mobilität und freier Warenverkehr gehören zu den zentralen Versprechen der Moderne. Am Brenner verdichten sich ihre räumlichen und gesellschaftlichen Folgen in besonderer Weise. Die in den 1960er Jahren errichtete Brennerautobahn erscheint dabei als Monument eines Technologie- und Fortschrittsoptimismus, der Landschaft durch technische Infrastruktur überwindbar und Raum nahezu unbegrenzt verfügbar macht.

Der Brennerbasistunnel führt dieses Versprechen unter veränderten Vorzeichen fort. Als eines der größten Infrastrukturprojekte Europas entzieht er sich weitgehend der Wahrnehmung und tritt nur punktuell, dafür mit großer landschaftlicher Präsenz, an die Oberfläche. Wo die Autobahn den Fortschritt noch demonstrativ in die Landschaft einschreibt, verlagert ihn der Tunnel unter die Erde.

Beide Bauwerke werden so zu Zeichen unseres Verhältnisses zu Raum, Mobilität und Wachstum: technische Antworten auf Probleme, die wesentlich aus eben jenem Fortschrittsmodell hervorgegangen sind, dessen Fortsetzung sie zugleich ermöglichen.